Archiv · Freitag, 9. Oktober 2026

Was heute im Gesundheitswesen zählt

Krankenversicherung, Gesundheitspolitik, Leistungserbringer, Health-IT und KI – kuratiert und auf das Wesentliche verdichtet.

Kurz & bündig

Das Wichtigste in Kürze

  1. 1Selbstdispensation verteuert die Grundversicherung: Eine ETH-Studie beziffert die Mehrkosten nach der Zürcher Liberalisierung auf rund 120 Millionen Franken in fünf Jahren. Eine frühere Studie des CSS-Instituts kam zu einem ähnlichen Befund.
  2. 2Lieferkette als Einfallstor: Bei einem Softwarelieferanten der Bundespensionskasse Publica sind nach einem Cyberangriff Daten abgeflossen. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig das Drittparteien-Risikomanagement für Versicherer ist.
  3. 3Digitale Souveränität: Fast drei Viertel der Schweizer Firmen halten sie für wichtig, aber nur gut ein Drittel davon hat eine Strategie. Exit-Pläne für grosse IT-Anbieter fehlen meist.
  4. 4KI bei US-Versicherern: Fitch erwartet, dass Ablehnungen bei der Kostengutsprache weiterhin von Menschen geprüft werden müssen. Ein Versicherungsmakler setzt derweil einen Voice-KI-Agenten als ersten Kontakt ein.
  5. 5Steigen die Prämien weiterhin um rund 5 Prozent pro Jahr, verdoppeln sie sich in etwa 15 Jahren. Ein ZHAW-Gesundheitsökonom hält das für realistisch und vermisst den politischen Willen zu grossen Reformen.

Ruhiger Nachrichtentag nach der Prämienwoche; zwei ältere Meldungen sind als Hintergrund aufgenommen.

Themen

CSS

Alles zur CSS Versicherung

CSSHintergrund

PreDiabeTx: CSS entwickelt mit Helsana, Sanitas und Swica Anreizmodelle für digitale Diabetes-Prävention

Im Innosuisse-Flaggschiffprojekt unter Leitung der Empa entwickelt die Universität St. Gallen gemeinsam mit CSS, Helsana, Sanitas und Swica Geschäfts- und Anreizmodelle, damit digitale Therapien zur Prävention von Typ-2-Diabetes in die Regelversorgung kommen. Weitere Teilprojekte befassen sich mit KI-gestützter Ernährungsberatung und textilen Sensoren für Vitaldaten. Die Laufzeit reicht bis Ende 2029; als grösste Hürde gilt, dass sich der Nutzen von Prävention nur schwer messen lässt.

Insidenews
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Krankenkassen & Markt

Mitbewerber, Vergleichsportale, Kundenthemen

Krankenkassen & Markt

Prämien könnten sich in 15 Jahren verdoppeln

Steigen die Prämien weiterhin um rund 5 Prozent pro Jahr, würde die durchschnittliche Erwachsenenprämie in etwa 14 bis 15 Jahren auf rund 966 Franken pro Monat klettern. ZHAW-Gesundheitsökonom Tilman Slembeck hält das für plausibel. Als Gründe nennt er die Alterung, das Vertrauensprinzip bei der Leistungsprüfung und fehlenden politischen Reformwillen. Laut der Budgetberatung verzichten manche Haushalte bereits auf Arzt- und Zahnarztbesuche.

20 Minuten
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Politik & Regulierung

Bund, BAG, FINMA, Parlament, Kantone

Politik & Regulierung

USA: Gesundheitsministerium schreibt 20 Millionen Dollar für Wettbewerbe zu Kosten und KI aus

Die US-Behörde AHRQ lanciert zwei Preiswettbewerbe. Bis zu 11,8 Millionen Dollar gehen an Ideen für tiefere Kosten und mehr Wettbewerb, knapp 8 Millionen Dollar an ein KI-System, das medizinische Evidenz und die Kosten-, Nutzungs- und Qualitätsdaten der Behörde besser nutzbar machen soll. Der Ansatz zeigt, wie Behörden Routinedaten mit KI für die Kostensteuerung erschliessen wollen. Gleichzeitig steht die AHRQ wegen gestrichener Fördergelder in der Kritik.

Healthcare IT News
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Leistungserbringer & Versorgung

Spitäler, Ärzteschaft, Pharma, Pflege

Leistungserbringer & VersorgungWichtig

Selbstdispensation: Wenn Ärzte Medikamente verkaufen, zahlt die Grundversicherung mehr

Eine KOF-Studie der ETH untersucht die Liberalisierung der Selbstdispensation in Zürich und Winterthur ab 2012. Die Apotheken verloren dauerhaft Umsatz und verkauften weniger Generika, die Arztpraxen setzten mehr ab. Für die Grundversicherung ergaben sich Mehrkosten von rund 120 Millionen Franken in fünf Jahren. Eine frühere Studie des CSS-Instituts fand rund 20 Franken höhere Medikamentenkosten pro Patient und Jahr. Das ist für die laufende Debatte im Kanton Bern relevant.

Medinside
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Leistungserbringer & Versorgung

Pflege: Festangestellte sind nur knapp günstiger als Temporäre

Eine ZHAW-Vollkostenrechnung mit Daten aus sieben Spitälern und Kliniken kommt für Festangestellte im Schnitt auf rund 73 Franken pro produktive Stunde, für Temporärpersonal auf etwa 80 Franken. Schon eine kürzere Wochenarbeitszeit oder Flexibilitätszulagen heben diesen Vorteil auf. Die Studie wurde von einem Personalvermittler in Auftrag gegeben und lässt Qualitätseffekte aussen vor.

Medinside
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Leistungserbringer & VersorgungHintergrund

Teure Medikamente treiben den Prämienschub

Medikamente machen gut ein Fünftel der OKP-Kosten aus, zuletzt fast 9,7 Milliarden Franken. Der Bundesrat will mit Mengenrabatten auf den umsatzstärksten Präparaten jährlich 350 Millionen Franken sparen. Die Pharmabranche warnt vor einem schlechteren Zugang zu Innovationen, die Preisforscherin Kerstin Vokinger kritisiert dagegen geheime Rabatte und den geringen Zusatznutzen vieler neuer Mittel.

Blick
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Health-IT

Kernsysteme, E-GD, Interoperabilität, Plattformen

Health-ITWichtig

Cyberangriff auf Softwarelieferanten der Publica: Datenabfluss bestätigt

Bei einem externen Softwarelieferanten der Pensionskasse des Bundes sind nach einem Ende September entdeckten Angriff Daten abgeflossen. Welche Daten betroffen sind, wird noch abgeklärt, und die Bundesanwaltschaft ermittelt. Der Fall zeigt erneut, dass bei Versicherern mit sensiblen Kundendaten die Lieferkette das schwächste Glied sein kann.

Bund (admin.ch)
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Health-IT

Digitale Souveränität: Viel Problembewusstsein, wenig Strategie

Laut einer Studie von HSLU und TI&M mit 200 Schweizer Organisationen halten 73 Prozent digitale Souveränität für wichtig, doch nur rund ein Drittel davon hat eine Strategie. Die meisten schätzen ihre Abhängigkeit von grossen IT-Anbietern als hoch ein, Exit-Pläne fehlen aber oft. Die Autoren empfehlen, Exit-Fähigkeit aufzubauen und zu testen, Open Source zu prüfen und KI-Abhängigkeiten früh zu adressieren. Für Kernsysteme und die Cloud-Strategie von Krankenversicherern ist das ein Kernthema.

Netzwoche
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KI im Gesundheitswesen

KI für Patienten, Leistungserbringer und Versicherer

KI im GesundheitswesenWichtig

Fitch: Bei KI-gestützten Leistungsablehnungen bleibt der Mensch in der Pflicht

Die Ratingagentur erwartet, dass Regulatoren bei Ablehnungen von Kostengutsprachen weiterhin eine menschliche Prüfung verlangen. Das begrenzt die Effizienzgewinne der KI. Im neuen KI-Stresstest von Fitch schneiden Krankenversicherer mit tiefem Disruptionsrisiko ab, aber KI-optimierte Codierung auf Seite der Leistungserbringer treibt die Kosten bereits leicht.

Becker's Payer Issues
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KI im Gesundheitswesen

Brustkrebs-Risiko per KI: Clairity geht direkt zu den Patientinnen

Das Start-up Clairity bietet seine KI-Risikoprognose auf Basis von Mammografiebildern über den Testanbieter Everlywell direkt Konsumentinnen an. Begründung: Bis Ärzte die Analyse verordnen und Versicherer sie vergüten, dauere es zu lange. Das zeigt, wie KI-Anbieter den Umweg über die Vergütung zunehmend umgehen.

STAT
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KI im Gesundheitswesen

Voice-KI-Agent als Erstkontakt beim US-Versicherungsmakler eHealth

eHealth lässt Anrufe während der Medicare-Einschreibefrist von einem LLM-basierten Voice-Agenten vorqualifizieren. Begonnen hat das als Pilot ausserhalb der Bürozeiten. Laut Anbieter werden alle Anrufe sofort angenommen, und die Abschlussquote liegt höher als mit ausgelagerten Callcenter-Mitarbeitenden. Rechtlich verlangte Hinweise laufen bewusst über einen fixen Nicht-LLM-Baustein, zudem waren Compliance und Qualitätssicherung eng eingebunden.

Healthcare Dive
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KI im Gesundheitswesen

Teladoc bringt Ambient Scribe und kontaktlose Vitalwerte in die Telemedizin

Teladoc erweitert seine Plattform Solo um zwei KI-Funktionen. SoloScribe erstellt aus Telekonsultationen strukturierte Notizen und überträgt sie ins Klinikinformationssystem; die Funktion ist ab sofort verfügbar. SoloVitals schätzt Puls und Atemfrequenz über die Kamera von Smartphone oder Tablet und soll im Dezember breit lanciert werden.

Fierce Healthcare
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KI im GesundheitswesenHintergrund

Studie: Schweizer akzeptieren KI bei Versicherern eher bei Betrugserkennung als bei der Leistungsprüfung

Laut einer ValueQuest-Befragung von 2080 Personen nutzen 55 Prozent KI-Tools regelmässig, aber nur 15 Prozent bewusst für Versicherungsthemen. Am höchsten ist die Akzeptanz bei der Betrugserkennung (37 Prozent) und im Kundenservice (32 Prozent), am tiefsten bei der Prüfung von Leistungsfällen (14 Prozent). Für Krankenversicherer heisst das: KI zuerst in unterstützenden Rollen einsetzen und die Leistungsentscheide transparent halten.

ValueQuest
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